FKT: Magnus Bühl - E5: Oberstdorf - Pitztaler Gletscherbahn (Germany, Austria) - 2020-08-21

Athletes
Gender category
Male
Route variation
Standard point-to-point
Multi-sport
No
Style
Self-supported
Start date
Finish date
Total time
21h 32m 53s
Report

3:24 Uhr morgens - ich stehe allein am Oberstdorfer Bahnhof - wieder ein FreeSolo-Projekt. Mit einem 4kg Trail-Rucksack starte ich Richtung Spielmannsau. Ein kurzer Verlaufer im Ort, doch dann rollt er an, der "Bühl-Express" ;-). Weiter durch den Sperrbachtobel Richtung Kemptner Hütte. Es tröpfelt wie vorgesagt. Erste Dämmerung am Mädelejoch. Bedeckter Himmel im Abstieg nach Holzgau. Ich bin extra später los, um die Öffnungszeit des Discounters hier auszunutzen, doch bin 20 min zu früh da. Also weiter nach Bach. Auf der Talstraße nach Madau Richtung Memminger Hütte. Ein Bus voll mit "Wanderern" überholt mich??? Wir sehen uns wieder. An der Memminger Hütte ein fettes Stück Käsekuchen und ein Cola. Im Aufstieg zur Seescharte kommt die Sonne raus. Der Abstieg nach Zams ist nicht wirklich schön, aber ich weiß ja schon wohin. 10 min vor Zams bestelle ich mir telefonisch eine "Quattro Formaggi", die auch sofort bei meinem Eintreffen an den Tisch kommt. VPs lassen sich also auch selbst organisieren ;-). Cola an der Tanke. Den kleinen Weg Richtung Venet hoch finde ich wieder nicht gleich. Kurzer Lagebericht an Anke - alles im grünen Bereich. Irgendwie kommt mir der Aufstieg heute schneller vor. Es sind weniger Wanderer unterwegs. Es ist einsamer. Im Abstieg nach Wenns gönne ich mir an einer Alm selbstgemachten Linseneintopf und selbst gebackenes Brot und ein Weizen. Super lecker - Substanz! Kurz vor 20 Uhr bin ich Wenns. 1,5 Liter Cola an der Tanke. Twix und Mars in den Rucksack. Fast 30km Talhatsch stehen an. Gegen 21 Uhr beginnt es zu regen. Zwar nicht stark, aber genug um nass zu werden. Irgendwann ziehe ich die Regenjacke an. 2 min später hört es auf - arrgh! Die Straße ist ruhiger heute Nacht - weniger Verkehr. Um 0:57 Uhr erreiche ich das Wildspitzhotel in Mandarfen. 21:33 Stunden unterwegs. Etwa 2:12 Stunden schneller als letztes Mal. Kein Mensch zu sehen.
Kurzer Umbau in der Aussen-Lounge des Hotels. Lange Hose, Handschuhe, Mütze. Es könnte kalt werden auf fast 3.000 m. Der Aufstieg zur Braunschweiger Hütte zieht sich, ist anstrengend nach über 100 km. Um 4 Uhr morgens bin ich da. Kurzer Check - alles schläft, kein Gastraum offen. Weiter Richtung Pitztaler Jöchl. Ötztaler Bruch - Platten hüpfen ist angesagt. Pause in der Pampa. Stirnlampe aus. Twix und Mars mampfend den Sternenhimmel bestaunen - nirgends anders will ich sein! Am Jöchl dann erst mal falsch Richtung Rüsselsheimer Hütte runter gelatscht. Wieder hoch. War hier länger nicht mehr und bin erstaunt wie alpin es hier zu turnen gilt. Im ersten Licht zum Parkplatz Rettenbachferner. Der Gletscher ging ja mal in den 80ern bis dorthin. Jetzt ist er weit nach oben zurück. Am Rettenbach entlang hinunter zur Stabelebahn. Here comes the sun! Rund um den Gaislachkogel führt der Weg. Viele Almen haben noch zu. Endlich, an der Gaislachalm gibt es Frühstücksbuffet, welches ich ausgiebig nutze. Leider kann ich nicht mehr so viel Essen wie gewohnt - mein Körper verweigert ein wenig. Immer wenn ich erzähle, wo ich herkomme und wie lange ich schon unterwegs bin gibt es verdutzte Gesichter, aber die Menschen sind interessiert und fragen nach :-).
Ein Lage Sonnencreme aufgetragen. Weiter - diesmal zum Tiefenbachferner hoch. Sturzbäche aus Gletschermilch. Auch hier viel Schwund zu sehen. Auf zum letzten Gefecht, dem Panoramaweg nach Vent. Plötzlich überholen mich 12 Schafe, als ginge es um Leben und Tod. Laufen immer vor mir her. Der Weg wird schmaler. Ein bröseliger, brüchiger Hang mit einem Schild: "Bitte schnell passieren". Die Schafe immer vor mir her. Mitten in der Gefahrenstelle bleiben sie stehen und rühren sich nicht mehr. Kein Vorbeikommen möglich. Schreien, Stöcke schlagen hilft nicht. Kann jetzt nicht sein, oder? Ich zurück, weil mir der Hang nicht geheuer ist. Erst nach 10min entschließen sich die Schafe weiter zu gehen, so dass ich hier auch vorbeikomme.
Um 15:07 Uhr erreiche ich die Kirche von Vent. Etwa 133 km Laufstrecke mit 7500 bis 9000 HM (je nachdem welcher App man Glauben schenkt). 35:43 Stunden unterwegs auf den Spuren des E5. Es gibt Dinge, da muss man sich rantasten und manche sind ausbaufähig ;-).
3 mal den Daumen raus gehalten und ich bin gegen 20 Uhr wieder zu Hause. Zwei Teller Spaghetti und ein Weizen sind weg wie nix. Während ich Anke berichte fällt mir immer wieder der Kopf nach hinten. Ab ins Bett - fast 45 Stunden auf den Beinen sind genug.
To be continued ...